Unter Tage | Gruppenmonolog von Sigrid Behrens
12. Januar 2008, 20:00
Gespeichert unter: Mainfranken Theater

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20080112_untertage.jpgSigrid Behrens gewann mit „Unter Tage“ den vom Mainfranken Theater und der Leonhard-Frank-Gesellschaft ausgeschriebenen Leonhard-Frank-Preis 2007 und damit eine Inszenierung und Uraufführung Ihres Werkes. So viel zu Motivation, den Stoff auf die Bühne zu bringen!

untertage2.jpgDie Warnung, es handele sich um einen Gruppenmonolog, geht beim Studium der einschlägigen Programmankündigungen unter, was beim Publikum für ausnahmslos ratlose Gesichter sorgt. Einen höheren Sinn, vielleicht sogar einen Handlungsstrang, sucht man vergebens. Dafür kann man vier Akteure in einem apokalyptischen, postindustriell-urbanen Setting beobachten, die ein passives und subkulturelles Dasein jenseits von Rationalität und wahrer Emotionalität fristen. Zudem gibt es abgehackte und unzusammenhängende Gedankenfetzen, selten zu Ende gedacht, ungefiltert verbalisiert und dem in der Kammer des Mainfranken Theaters gefangenen Publikum vor die Füße gespuckt. Abstrakt eben.

Ganz anders die schauspielerische Leistung: das Ensemble geht an die Grenzen der Belastbarkeit, spielt sich die Seele aus dem Leib und gibt alles. Doch die schauspielerische Stärke kann über den dünnen Stoff nicht hinwegtäuschen, wenngleich Bühne, Licht und Ton stimmig erscheinen. Bleibt die Frage offen, ob der Regisseur den Stoff verstanden hat.



Unterm Rad | Hermann Hesse
11. Januar 2008, 12:00
Gespeichert unter: Buch

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Das Idyll einer frühsommerlichen Wiese am Waldrand, das unnahbare einer von Menschenhand erschaffenen, zerstörerischen Geröllwüste! In diesen Kosmos von widersprüchlichen Atmosphären setzt Hesse den jungen Hans Giebenrath, der, beladen mit den Idealen und Erwartungen des provinziellen Bürgertums zur Jahrhundertwende, im Spagat zwischen dem Streben nach Anerkennung und dem Erhalt von Individualität erliegt.

Hesse zeichnet den jungen Hans mit detailverliebter Feder, spricht ihm neben Naturverbundenheit und Genussfreude auch Neugierde und einen knabenhaften Respekt und Achtung vor der Schöpfung zu. Letztlich sind es diese Strukturen, die Hesse, subtil und selten vordergründig oder offensichtlich, wie Fesseln um den formbaren Pennäler ranken lässt.

Hesse schafft mit „Unterm Rad“ ein Monument, ein Mahnmal der heranwachsenden Generation. Wie einen Marterpfahl, der im gesellschaftlichen Morast der Überzüchtung verankert ist, betoniert er Hans in die Wahrnehmung seiner Leser, stets eingebettet in eine Welt, die be- oder doch nur verrät?

Fast scheint es, als hole Hans Giebenrath ununterbrochen Luft, um einen finalen Hilferuf auszustoßen, doch ist der Ruf verhallt, bevor er formuliert ist. Letztlich artikuliert sich Hans` Hilferuf nur in der Wahrnehmung des Lesers, der als passiver Beobachter eines perfiden Folterszenarios in die Rolle des Voyeurs gedrängt wird.

Dennoch schafft es Hesse, die Distanz zum Leser aufzulösen, weckt Betroffenheit und Wut, Rat- und Hilflosigkeit. Süß lockt die unschuldige Kulisse, luftig, wie auf Wolken gebaut, schaudern lässt der lebenslange letzte Gang des Märtyrers für eine freie Jugend.

Ein Handbuch für alle, die es sich besser gewünscht hätten, und die es besser machen wollen.



Ronja Räubertochter | Astrid Lindgren
6. Januar 2008, 11:00
Gespeichert unter: Mainfranken Theater

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20080106_ronja.jpgFreundschaft kennt keine Grenzen. Auf diese einfache, und doch so mächtige Aussage lässt sich Astrid Lindgrens Märchen um die Mattis-Borka-Sippe reduzieren. Mit viel Herz und absolut kindgerecht inszeniert das Mainfranken Theater zum Weihnachtszeit eine Bühnenadaption, die die Augen des jungen Publikums zum Leuchten bringt.

20080106_ronja_1.jpgDas Stück lebt von den vielen Stimmungen, die immer authentisch und ehrlich wirken, und von düster-skurril bis unschuldig-emotional wird das Spektrum des Möglichen voll ausgefahren.

Die Bühne erinnert an einen riesigen Abenteuerspielplatz, auf dem alles Erlaubt ist, und die Fantasie ist das mächtigste Spielzeug. Das Idealbild von Kindheit wird aufgezeigt, der Traum, Abendteuer zu durchleben, wird gelebt. Ronja Räubertochter – auf seine eigene Art ein gewaltiger Kindergeburtstag mit viel Herz!