Deutschland, ein Wintermärchen | Rezitation mit Musik
22. Februar 2008, 20:00
Gespeichert unter: Mainfranken Theater

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20080222_wintermarchen.jpgIm traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

20080222_wintermarchen-1.jpgAuch in der aktuellen Spielzeit widmet Schauspieldirektor Bernhard Stengele der Lyrik ein besonderes Programm in der Kammer des Mainfranken Theaters. Unterstützt von einem stimmgewaltigen Kai Christian Moritz, einem großartigen Philipp Reinheimer und Ulrich Pakusch am Klavier erlebt das Publikum ein patriotisch-sarkastischen Heineabend, mal politisch, mal ironisch, meistens respektvoll und jederzeit grandios vierstimmig harmonisiert.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Deutschland ist Heimat. Und das Recht, sich als Deutscher stolz fühlen zu dürfen, war lange genug von einer hirnlosen braunen Masse okkupiert gewesen. Heimat ist Deutschland!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.



Professor Unrat | Heinrich Mann
16. Februar 2008, 19:30
Gespeichert unter: Mainfranken Theater

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20080216_unrat.jpgDer Gymnasialprofessor Raat, von den Schülern despektierlich „Unrat“ gerufen, ist Moralist und Verfechter der biederen Bildungsschicht. Als er beim Nachstellen seiner Schüler der Sängerin Lola Fröhlich im Nachtclub „Blauer Engel“ begegnet, scheint alle Moral vergessen zu sein. Raat verfällt der schönen Sängerin, macht mit ihr gemeinsame Sache und beide ziehen in Bonnie-und-Clyde-Manier durch die Stadt.

20080216_unrat-1.jpgSo viel zur Romanvorlage von Heinrich Mann, die von John von Düffel – traun fürwahr – für das Theater adaptiert wurde. Obwohl das Mainfranken Theater im Vorfeld der Premiere mehrfach betonte, die theatrale Fassung bliebe viel mehr am Roman als beispielsweise der Filmklassiker mit Marlene Dietrich, wagt sich die Inszenierung sehr weit in die Gegenwart und scheint die elementaren Kernfragen, die im Buch aufgeworfen werden, zu vernachlässigen. Das gelungene Bühnenbild, eine Symbiose aus Klassenraum und Blauem Engel, wird sukzessive von den Darstellern zerstört. Wenngleich auch die Moralvorstellungen Raats im Verlauf des Stückes zu erliegen scheinen, wirkt der Destruktivismus meist wahlos und unmotiviert.

Die Hauptdarsteller, Anne Simmering und Max De Nil, brillieren in ihren Rollen, die verschiedenen Charaktere der Schüler aber wurden in der Bühnenfassung nicht kräftig genug herausgearbeitet. Klaus Müller-Beck, der zuletzt in Dantons Tod überzeugen konnte, verkommt zur Selbstsatire, die Besetzung der Maria Vogt wirkt unbeholfen, zumal sie in der Rolle oft undeutlich spricht und kaum zu verstehen ist.

Franziska Theresa Schütz, die für diese Inszenierung verantwortlich zeichnet, hinterlässt einen wenig Mann-haften Eindruck. Wenn inhaltlich nichts mehr geht, stellt man Kinder auf die Bühne oder versucht mit aufwändiger Bühnentechnik, das Publikum bei Laune zu halten. Die zu Klassikern gewordenen Melodien aus der Verfilmung wurden auf der Bühne von einem DJ mit Live-Trompeter interpretiert. Die gewollt-modernen Beats aber wirkten zu oft irritierend und waren in der Lautstärke den Sprechstimmen der Akteure nicht angepasst.

Fazit: Oftmals großartige Schauspieler in nicht sauber herausgearbeiteten Rollen und einer unstrukturierten Inszenierung. Nur bedingt sehenswert.



Machen Frauen wirklich glücklich? | Thomas Reis
9. Februar 2008, 20:15
Gespeichert unter: Cabaret

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Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass die Titel von Cabaret-Programmen in Frageform ein Spiel mit dem Feuer darstellen. Einem Spiel, bei dem Thomas Reis unterliegt. Davon abgesehen, dass die Frage nicht beantwortet wird, verläuft der Abend ohne erkennbaren roten Faden, dafür aber gespickt mit nicht mehr ganz aktuellen Witzen um den Geschlechterkrieg.

Thomas Reis bemüht verschiedene virtuelle Charaktere auf die Bühne, die er aber nicht einführt. Entsprechend schwer tut sich das Publikum, dem Gruppengespräch auf der Bühne noch Folge leisten zu können. Der Ankündigung eines „Wortakrobaten“ wurde Reis nicht gerecht, vielmehr wirkten die ungeschickt platzierten Pointen wie eine Reihung von Sinnsprüchen, die den Schmierereien in der Toilette des Philosophiegebäudes an der Uni entnommen sind.

Zweifellos hat der Abend einige Spitzen, das mangelnde Timing aber lässt viele Pointen versumpfen, und so geht das Gesamtkonzept nicht auf.