Gespeichert unter: Mainfranken Theater
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Der Erkrankung eines Ensemblemitgliedes ist es zu verdanken, dass in der Mainfränkischen Kammer mit „Sie haben nämlich Entenfüße“ ein leicht improvisierter Ausblick in die kommende Spielzeit gegeben wird. Ähnlich wie beim „Zwischensatz mit dem Feigenblatt“ rezitiert Schauspieldirektor Stengele ambitioniert und mit viel Charme die größten deutschsprachigen Lyriker, allen voran Heine.
Aber auch Goethe und Schiller, Kästner und Brecht finden Gehör, mal leise, mal laut, und immer mit einem Augenzwinkern begibt sich das Publikum auf eine den Sinnen schmeichelnde Reise durch imposante Wortkonstruktionen.
Das Konzept ist nicht neu, Stengele konnte schon vor Jahren mit dem Programm Erfolge feiern (ein Mitschnitt aus früheren Tagen unter Begleitung von Paul Amrod ist als Audio-CD verfügbar). Dennoch bietet die Kammer wieder einen niveauvollen und angenehmen Lyrikabend. Der Tipp für die Spielzeit 2008/09!
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Gegen all die anderen Schlöcher von Pork Schitty, Schwein der King und Grunz die Queen jetz hier das Sagen tätärätä, Doofstadt wird gekillt, alle Ekelstellen wegradiert; ein Monsterpärchen mit brutalen Gewalt- und Allmachtsphantasien ich laß mich hoch in Kotzmos schießen Sternlein stehn un leg unten alles in Schitt un Arsche mit viel Zärtlichkeit füreinander bisse beste Grunz vonne Wörld Grunz – Meine Wörld bisse, Schwein! Über allem aber schwebt der gemeinsame Zentral-Traum vom schneeweißen Disco-Palast mit seinem on-off-off-beat, Fick mir die Birne, süßer Sound un pump mich heim un pump mich heia un pump un weg…
Keiler und Wildsau ziehen los, um ihren 17. Geburtstag zu feiern. Die beiden kennen keine Kultur, keine Subkultur, dafür rempeln sie kulturlos und grandios unkultiviert durch die Nacht, auf der Suche nach einem Sinn, verlieren sich in ihren Träumen, bis letztlich die Freundschaft zerbricht.
Philipp Reinheimer und Katharina Ries bringen mit Disco Pigs ihr Diplomstück auf die Bühne: Prüfung bestanden, mit Auszeichnung!
Katharina Ries wächst in der Rolle der verträumten Adoleszenten über sich selbst hinaus, geizt nicht mit Reizen und genießt sichtlich das provokante Spiel mit dem Publikum. Auch Philipp Reinheimer geht körperlich aufs Ganze und macht sich die Bühne (und den Zuschauerraum) zu Eigen. Virtuses Ballett in Springerstiefeln auf einer Bühne aus Currywurst und Pommes, geschmacklos geschmackvoll eben, jung, dynamisch und ehrlich.
Ähnlich wie beim Leutnant von Inishmore scheinen Teile des Publikums in der mainfränkischen Kammer der derben Sprache und den körperlichen Attacken nicht gewachsen und verlassen das Stück schon in den ersten 20 Minuten. Scheinbar ist dieses Verhalten als Qualitätskriterium zu werten: je mehr Zuschauer gehen, desto besser das Stück. Zumindest konnte dies bereits mehrfach im Mainfrankentheater beobachtet werden.
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Liebe zwischen den Ständen, zwischen dem Sohn des Präsidenten und der Tochter des Musikus Miller. Schillers Klassiker um eine Intrige, den stürmischen Ferdinant und die Welt zwischen Macht, Gier, Politik und Liebe.
Mit viel Tempo und Energie erwacht die alte Geschichte zum Leben, umrahmt von Schillers Dialogzeilen, die in ihrer Metaphorik eine ganz eigene Sprache sprechen. Leider fielen einige Textpassagen dem Rotstift zum Opfer, so war auch die Rolle des intriganten Wurm nur sehr knapp angelegt und die menschliche und emotionsbehaftete Seite der von Norfolk wurde anders als in Schillers Original kaum betont.![]()
Glänzend hingegen wirkte die Inszenierung selbst: temporeich, klassisch, mutig, und stets mit einem Augenzwinkern. Christian Manuel Oliviera stürmt und drängt zwischen Liebe, Glaube, Hoffnung und tiefer Erschütterung, Katharina Ries hingegen wirkt über die ersten Akte hinweg hölzern, steigert sich aber Zusehens.
Die Inszenierung von Boris Wagner schafft den Spagat über 250 Jahre, holt den Klassiker ins 21. Jahrhundert und nimmt sich selbst so weit zurück, dass das Trauerspiel seine Wirkung voll entfalten kann.
