Unterm Rad | Hermann Hesse
11. Januar 2008, 12:00
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Das Idyll einer frühsommerlichen Wiese am Waldrand, das unnahbare einer von Menschenhand erschaffenen, zerstörerischen Geröllwüste! In diesen Kosmos von widersprüchlichen Atmosphären setzt Hesse den jungen Hans Giebenrath, der, beladen mit den Idealen und Erwartungen des provinziellen Bürgertums zur Jahrhundertwende, im Spagat zwischen dem Streben nach Anerkennung und dem Erhalt von Individualität erliegt.

Hesse zeichnet den jungen Hans mit detailverliebter Feder, spricht ihm neben Naturverbundenheit und Genussfreude auch Neugierde und einen knabenhaften Respekt und Achtung vor der Schöpfung zu. Letztlich sind es diese Strukturen, die Hesse, subtil und selten vordergründig oder offensichtlich, wie Fesseln um den formbaren Pennäler ranken lässt.

Hesse schafft mit „Unterm Rad“ ein Monument, ein Mahnmal der heranwachsenden Generation. Wie einen Marterpfahl, der im gesellschaftlichen Morast der Überzüchtung verankert ist, betoniert er Hans in die Wahrnehmung seiner Leser, stets eingebettet in eine Welt, die be- oder doch nur verrät?

Fast scheint es, als hole Hans Giebenrath ununterbrochen Luft, um einen finalen Hilferuf auszustoßen, doch ist der Ruf verhallt, bevor er formuliert ist. Letztlich artikuliert sich Hans` Hilferuf nur in der Wahrnehmung des Lesers, der als passiver Beobachter eines perfiden Folterszenarios in die Rolle des Voyeurs gedrängt wird.

Dennoch schafft es Hesse, die Distanz zum Leser aufzulösen, weckt Betroffenheit und Wut, Rat- und Hilflosigkeit. Süß lockt die unschuldige Kulisse, luftig, wie auf Wolken gebaut, schaudern lässt der lebenslange letzte Gang des Märtyrers für eine freie Jugend.

Ein Handbuch für alle, die es sich besser gewünscht hätten, und die es besser machen wollen.