Staatsfeind Nr. 11 | Matthias Tretter
10. Oktober 2008, 20:15
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Den Heimvorteil kann Matthias Tretter bei der Premiere seines neuen Programms für sich verbuchen, ist  ihm doch das Publikum im Würzburger Bockshorn sehr gewogen. Tretter, der sich inzwischen zu den großen deutschen Kabarettisten zählen darf, steht routiniert auf der Bühne und weiß, wie das Publikum anzupacken und zu unterhalten ist.

Leider fehlen seinem aktuellen Programm ein konsequent eingehaltener roter Faden und ein wirklicher Titelbezug. Auch das, was in der Programmankündigung versprochen wurde, wird nicht eingehalten, was aber für ein Programm im Entstehungsprozess und eine Premiere zu verzeihen ist.
Tretter ist unterhaltsam, wie gewohnt politisch, staatsbürgerlich und gebildet, aber leider wenig bissig.



Vertrauen auf Verdacht | Erwin Pelzig
2. Oktober 2008, 20:00
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Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit | Bernhard Ludwig
21. August 2008, 20:30
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Comedylounge | Florian Hoffmann
10. August 2008, 20:30
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Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod | Bastian Sick
15. April 2008, 20:00
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Dass der Dativ der Tod des Genitivs sei ist Dank der brillanten Bücher von Bastian Sick weitestgehend widerlegt. Seinem Gespür für Sprache, seinem Wortwitz und seinem Faible für lokale Sprachabsurditäten verdankt der Schreiberling der Onlineredaktion eines politisch ambitionierten Boulevardblattes seinen Ruhm und den Zugang zu den Bühnen einer von Orthographiereformen gebeutelten Republik.

Anders als andere Autoren bietet Sick keine Lesung, vielmehr ein regieüberzüchtetes, steriles Bühnenprogramm mit netten Einspielbildchen. Für die Sick-Leser, die – angeheizt durch die ersten drei Bände – auch ‚Happy Aua‘ konsumierten, bietet die Show nichts Neues. Sick kaspert sich durch zwei Stunden Programm und wirkt dabei stets choreographiert und mechanisch, mit aufgesetztem Charme werden die Absurditäten der Deutschen Sprache gnadenlos vermarket. Als Sympathieträger kann er nicht überzeugen, zu absehbar ist die Dramaturgie des Showkonzeptes.

Fast unerträglich wirken die Showeinlagen: Sick als James Bond in Florian Silbereisen-Manier, Sick als pubertärer Puppenspieler, Sick beim Einkaufen, Sick als Mireille Mathieu… Letztere präsentiert er mit der Ästhetik des Fernsehballetts des Mitteldeutschen Rundfunk auf einem Niveau, dass sämtliche Darkrooms der Nation zum Leuchten bringen würde.

Sick kann schreiben. Sick ist Verfechter unserer Sprache. Aber Sick auf der Bühne (und um einen Anglizismus anzubringen): sick!



Falten und Kleben | Matthias Egersdörfer
29. März 2008, 20:15
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20080329_egersdorfer.jpgMatthias Egersdörfer ist  hochgradig therapiebedürftig, halluziniert sich latent aggressiv durch satte zweieinhalb Stunden Bühnenprogramm und legt dabei mit dem Charme einer Wurstwarenfachverkäuferin und einer von mittelfränkischer Sozialisation konterminierten Zunge seine Hirnwindungen frei. Der Abend ist rasant wie eine Achterbahnfahrt, und im letzten Wagon wird im Drogenrausch eine Orgie veranstaltet. Dabei sein ist alles. Einzig, nicht artig!



Königin der Macht | Reiner Kröhnert
6. März 2008, 20:00
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Angela Merkel hat den liebestaumelnden Klaus Kinski zu Fall gebracht. Und eine komplette Republik im Osten von Kassel…

20080306_wertheim.jpgEin Stelldichein der Politikprominenz, wie es Beckmann, Christiansen, Plasberg und Will nicht zu vereinen schaffen:  Schäuble, Merz, Stoiber, Kohl und Schröder auf einer Bühne, die geballte Opposition in der Debatte über die Beseitigung der Kanzlerin vereint. Dazwischen ein liebestoller Kinski, der im Stil eines kongenialen François Villon die erotische Komponente von Macht in Richtung Kanzlerinnenamt säuselt.

Reiner Kröhnert ist Meister der Beobachtung, Interpretation und Imitation. Reiner Kröhnert ist Politiksatiriker, Lyriker und die personifizierte Erinnerung daran, warum dieses Land einst das Land der „Dichter und Denker“ genannt wurde. Und Reiner Kröhnert zeigt die dunkle Seite der Macht, eine Kanzlerin süß wie Zartbitterschokolade, Germanys next Angie.



40 Jahre Ferien – Ein Lehrer packt ein… | Han´s Klaffl
2. März 2008, 17:00
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20080302_klaffl.jpgHans Klaffl, Staatskabarettist auf Lebenszeit, bringt erneut Intimitäten auf die Bühne des restlos ausverkauften Bockshorn, die sonst hinter verschlossenen Türen des Lehrerzimmers ungehört bleiben. Schonungslos ehrlich, mit der passenden Mixtur aus Charme und Groove, leitet Klaffel das Publikum in einer Retrospektive durch die Strafvollzugsanstalt bis hin zum Abitur.
Dabei legt Klaffl einen 3-Stunden-Unterhaltungsmarathon vor, und fast scheint es, als hielt es das Publikum weitere 3 Stunden aus.  Wenn  einer das marode Bildungssystem reformieren kann, dann ist es Hans Klaffl. Und das wird er tun – wenn er mit den Korrekturen durch ist…



Machen Frauen wirklich glücklich? | Thomas Reis
9. Februar 2008, 20:15
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Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass die Titel von Cabaret-Programmen in Frageform ein Spiel mit dem Feuer darstellen. Einem Spiel, bei dem Thomas Reis unterliegt. Davon abgesehen, dass die Frage nicht beantwortet wird, verläuft der Abend ohne erkennbaren roten Faden, dafür aber gespickt mit nicht mehr ganz aktuellen Witzen um den Geschlechterkrieg.

Thomas Reis bemüht verschiedene virtuelle Charaktere auf die Bühne, die er aber nicht einführt. Entsprechend schwer tut sich das Publikum, dem Gruppengespräch auf der Bühne noch Folge leisten zu können. Der Ankündigung eines „Wortakrobaten“ wurde Reis nicht gerecht, vielmehr wirkten die ungeschickt platzierten Pointen wie eine Reihung von Sinnsprüchen, die den Schmierereien in der Toilette des Philosophiegebäudes an der Uni entnommen sind.

Zweifellos hat der Abend einige Spitzen, das mangelnde Timing aber lässt viele Pointen versumpfen, und so geht das Gesamtkonzept nicht auf.



Seine schönsten Umfragen | Alfons
30. November 2007, 20:15
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20071130_alfons.jpg„´eute mein dema: Toleranz gegenüber Ausländern.“ Die Begebenheiten aus dem zweiten Weltkrieg verlangen es wohl, dass wir gegenüber unseren westlichen Nachbarn Zurückhaltung und Toleranz üben. Ein gescheiterter Versuch:

Alfons, französischer Patriot und Sprachrohr des kleinen Mannes, tut genau das, was man von ihm erwartet: mit übergroßem Puschelmikro und überkleiner Trainingsjacke angelt er im Sumpf der Gossenphilosophie nach den Weisheiten der Unterschicht.

Was im Fernsehen unterhaltsam wirkt, verliert auf der Bühne schnell an Charme. Alfons verkommt zum Filmvorführer, der die Zeit zwischen den Filmchen mit gutgemeinten Moderationen zu überbrücken versucht. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht!

Letztlich bietet der Abend eine geballte Ladung (alter) Alfons-Umfragevideos und der Zuschauer fragt sich irritiert, wer die ganzen Menschen sind, die da mit ihm vor dem Fernseher sitzen. Und warum der Trottel mit der Trainingsjacke ständig im und vor dem Bild herumspringt…