Matinee zu „Die Räuber“ | Friedrich von Schiller
5. Oktober 2008, 11:00
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Blaubart | Georg Trakl
6. Juli 2008, 20:00
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Sie haben nämlich Entenfüße | Balladen mit Bernhard Stengele
29. April 2008, 20:00
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Der Erkrankung eines Ensemblemitgliedes ist es zu verdanken, dass in der Mainfränkischen Kammer mit „Sie haben nämlich Entenfüße“ ein leicht improvisierter Ausblick in die kommende Spielzeit gegeben wird. Ähnlich wie beim „Zwischensatz mit dem Feigenblatt“ rezitiert Schauspieldirektor Stengele ambitioniert und mit viel Charme die größten deutschsprachigen Lyriker, allen voran Heine.

Aber auch Goethe und Schiller, Kästner und Brecht finden Gehör, mal leise, mal laut, und immer mit einem Augenzwinkern begibt sich das Publikum auf eine den Sinnen schmeichelnde Reise durch imposante Wortkonstruktionen.

Das Konzept ist nicht neu, Stengele konnte schon vor Jahren mit dem Programm Erfolge feiern (ein Mitschnitt aus früheren Tagen unter Begleitung von Paul Amrod ist als Audio-CD verfügbar). Dennoch bietet die Kammer wieder einen niveauvollen und angenehmen Lyrikabend. Der Tipp für die Spielzeit 2008/09!



Disco Pigs | Enda Walsh
20. April 2008, 20:00
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Gegen all die anderen Schlöcher von Pork Schitty, Schwein der King und Grunz die Queen jetz hier das Sagen tätärätä, Doofstadt wird gekillt, alle Ekelstellen wegradiert; ein Monsterpärchen mit brutalen Gewalt- und Allmachtsphantasien ich laß mich hoch in Kotzmos schießen Sternlein stehn un leg unten alles in Schitt un Arsche mit viel Zärtlichkeit füreinander bisse beste Grunz vonne Wörld Grunz – Meine Wörld bisse, Schwein! Über allem aber schwebt der gemeinsame Zentral-Traum vom schneeweißen Disco-Palast mit seinem on-off-off-beat, Fick mir die Birne, süßer Sound un pump mich heim un pump mich heia un pump un weg…

Keiler und Wildsau ziehen los, um ihren 17. Geburtstag zu feiern. Die beiden kennen keine Kultur, keine Subkultur, dafür rempeln sie kulturlos und grandios unkultiviert durch die Nacht, auf der Suche nach einem Sinn, verlieren sich in ihren Träumen, bis letztlich die Freundschaft zerbricht.

Philipp Reinheimer und Katharina Ries bringen mit Disco Pigs ihr Diplomstück auf die Bühne: Prüfung bestanden, mit Auszeichnung!

Katharina Ries wächst in der Rolle der verträumten Adoleszenten über sich selbst hinaus, geizt nicht mit Reizen und genießt sichtlich das provokante Spiel mit dem Publikum. Auch Philipp Reinheimer geht körperlich aufs Ganze und macht sich die Bühne (und den Zuschauerraum) zu Eigen. Virtuses Ballett in Springerstiefeln auf einer Bühne aus Currywurst und Pommes, geschmacklos geschmackvoll eben, jung, dynamisch und ehrlich.

Ähnlich wie beim Leutnant von Inishmore scheinen Teile des Publikums in der mainfränkischen Kammer der derben Sprache und den körperlichen Attacken nicht gewachsen und verlassen das Stück schon in den ersten 20 Minuten. Scheinbar ist dieses Verhalten als Qualitätskriterium zu werten: je mehr Zuschauer gehen, desto besser das Stück. Zumindest konnte dies bereits mehrfach im Mainfrankentheater beobachtet werden.



Kabale und Liebe | Frierich Schiller
6. April 2008, 20:00
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20080406_kabale.jpgLiebe zwischen den Ständen, zwischen dem Sohn des Präsidenten und der Tochter des Musikus Miller. Schillers Klassiker um eine Intrige, den stürmischen Ferdinant und die Welt zwischen Macht, Gier, Politik und Liebe.

Mit viel Tempo und Energie erwacht die alte Geschichte zum Leben, umrahmt von Schillers Dialogzeilen, die in ihrer Metaphorik eine ganz eigene Sprache sprechen. Leider fielen einige Textpassagen dem Rotstift zum Opfer, so war auch die Rolle des intriganten Wurm nur sehr knapp angelegt und die menschliche und emotionsbehaftete Seite der von Norfolk wurde anders als in Schillers Original kaum betont.20080406_kabale-1.jpg

Glänzend hingegen wirkte die Inszenierung selbst: temporeich, klassisch, mutig, und stets mit einem Augenzwinkern. Christian Manuel Oliviera stürmt und drängt zwischen Liebe, Glaube, Hoffnung und tiefer Erschütterung, Katharina Ries hingegen wirkt über die ersten Akte hinweg hölzern, steigert sich aber Zusehens.
Die Inszenierung von Boris Wagner schafft den Spagat über 250 Jahre, holt den Klassiker ins 21. Jahrhundert und nimmt sich selbst so weit zurück, dass das Trauerspiel seine Wirkung voll entfalten kann.



Deutschland, ein Wintermärchen | Rezitation mit Musik
22. Februar 2008, 20:00
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20080222_wintermarchen.jpgIm traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

20080222_wintermarchen-1.jpgAuch in der aktuellen Spielzeit widmet Schauspieldirektor Bernhard Stengele der Lyrik ein besonderes Programm in der Kammer des Mainfranken Theaters. Unterstützt von einem stimmgewaltigen Kai Christian Moritz, einem großartigen Philipp Reinheimer und Ulrich Pakusch am Klavier erlebt das Publikum ein patriotisch-sarkastischen Heineabend, mal politisch, mal ironisch, meistens respektvoll und jederzeit grandios vierstimmig harmonisiert.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Deutschland ist Heimat. Und das Recht, sich als Deutscher stolz fühlen zu dürfen, war lange genug von einer hirnlosen braunen Masse okkupiert gewesen. Heimat ist Deutschland!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.



Professor Unrat | Heinrich Mann
16. Februar 2008, 19:30
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20080216_unrat.jpgDer Gymnasialprofessor Raat, von den Schülern despektierlich „Unrat“ gerufen, ist Moralist und Verfechter der biederen Bildungsschicht. Als er beim Nachstellen seiner Schüler der Sängerin Lola Fröhlich im Nachtclub „Blauer Engel“ begegnet, scheint alle Moral vergessen zu sein. Raat verfällt der schönen Sängerin, macht mit ihr gemeinsame Sache und beide ziehen in Bonnie-und-Clyde-Manier durch die Stadt.

20080216_unrat-1.jpgSo viel zur Romanvorlage von Heinrich Mann, die von John von Düffel – traun fürwahr – für das Theater adaptiert wurde. Obwohl das Mainfranken Theater im Vorfeld der Premiere mehrfach betonte, die theatrale Fassung bliebe viel mehr am Roman als beispielsweise der Filmklassiker mit Marlene Dietrich, wagt sich die Inszenierung sehr weit in die Gegenwart und scheint die elementaren Kernfragen, die im Buch aufgeworfen werden, zu vernachlässigen. Das gelungene Bühnenbild, eine Symbiose aus Klassenraum und Blauem Engel, wird sukzessive von den Darstellern zerstört. Wenngleich auch die Moralvorstellungen Raats im Verlauf des Stückes zu erliegen scheinen, wirkt der Destruktivismus meist wahlos und unmotiviert.

Die Hauptdarsteller, Anne Simmering und Max De Nil, brillieren in ihren Rollen, die verschiedenen Charaktere der Schüler aber wurden in der Bühnenfassung nicht kräftig genug herausgearbeitet. Klaus Müller-Beck, der zuletzt in Dantons Tod überzeugen konnte, verkommt zur Selbstsatire, die Besetzung der Maria Vogt wirkt unbeholfen, zumal sie in der Rolle oft undeutlich spricht und kaum zu verstehen ist.

Franziska Theresa Schütz, die für diese Inszenierung verantwortlich zeichnet, hinterlässt einen wenig Mann-haften Eindruck. Wenn inhaltlich nichts mehr geht, stellt man Kinder auf die Bühne oder versucht mit aufwändiger Bühnentechnik, das Publikum bei Laune zu halten. Die zu Klassikern gewordenen Melodien aus der Verfilmung wurden auf der Bühne von einem DJ mit Live-Trompeter interpretiert. Die gewollt-modernen Beats aber wirkten zu oft irritierend und waren in der Lautstärke den Sprechstimmen der Akteure nicht angepasst.

Fazit: Oftmals großartige Schauspieler in nicht sauber herausgearbeiteten Rollen und einer unstrukturierten Inszenierung. Nur bedingt sehenswert.



Unter Tage | Gruppenmonolog von Sigrid Behrens
12. Januar 2008, 20:00
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20080112_untertage.jpgSigrid Behrens gewann mit „Unter Tage“ den vom Mainfranken Theater und der Leonhard-Frank-Gesellschaft ausgeschriebenen Leonhard-Frank-Preis 2007 und damit eine Inszenierung und Uraufführung Ihres Werkes. So viel zu Motivation, den Stoff auf die Bühne zu bringen!

untertage2.jpgDie Warnung, es handele sich um einen Gruppenmonolog, geht beim Studium der einschlägigen Programmankündigungen unter, was beim Publikum für ausnahmslos ratlose Gesichter sorgt. Einen höheren Sinn, vielleicht sogar einen Handlungsstrang, sucht man vergebens. Dafür kann man vier Akteure in einem apokalyptischen, postindustriell-urbanen Setting beobachten, die ein passives und subkulturelles Dasein jenseits von Rationalität und wahrer Emotionalität fristen. Zudem gibt es abgehackte und unzusammenhängende Gedankenfetzen, selten zu Ende gedacht, ungefiltert verbalisiert und dem in der Kammer des Mainfranken Theaters gefangenen Publikum vor die Füße gespuckt. Abstrakt eben.

Ganz anders die schauspielerische Leistung: das Ensemble geht an die Grenzen der Belastbarkeit, spielt sich die Seele aus dem Leib und gibt alles. Doch die schauspielerische Stärke kann über den dünnen Stoff nicht hinwegtäuschen, wenngleich Bühne, Licht und Ton stimmig erscheinen. Bleibt die Frage offen, ob der Regisseur den Stoff verstanden hat.



Ronja Räubertochter | Astrid Lindgren
6. Januar 2008, 11:00
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20080106_ronja.jpgFreundschaft kennt keine Grenzen. Auf diese einfache, und doch so mächtige Aussage lässt sich Astrid Lindgrens Märchen um die Mattis-Borka-Sippe reduzieren. Mit viel Herz und absolut kindgerecht inszeniert das Mainfranken Theater zum Weihnachtszeit eine Bühnenadaption, die die Augen des jungen Publikums zum Leuchten bringt.

20080106_ronja_1.jpgDas Stück lebt von den vielen Stimmungen, die immer authentisch und ehrlich wirken, und von düster-skurril bis unschuldig-emotional wird das Spektrum des Möglichen voll ausgefahren.

Die Bühne erinnert an einen riesigen Abenteuerspielplatz, auf dem alles Erlaubt ist, und die Fantasie ist das mächtigste Spielzeug. Das Idealbild von Kindheit wird aufgezeigt, der Traum, Abendteuer zu durchleben, wird gelebt. Ronja Räubertochter – auf seine eigene Art ein gewaltiger Kindergeburtstag mit viel Herz!



Literatur in den Häusern der Stadt
24. November 2007, 19:30
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20071124_literaturindenhausern.jpgEin voyeuristisches Konzept, das aufgeht. Zeitgleich finden in Würzburger Privatwohnungen Lesungen statt, mal szenisch, mal mit Musik, immer privat und intim. Das Ensemble des Mainfranken Theaters strömt aus und lädt mit Würzburger Gastgebern – wohin, bleibt bis zum Kartenkauf ein Geheimnis. Tiefgehende Einblicke in das Private inklusive.

20071124_literaturindenhausern-1.jpgEin befremdendes Gefühl, an einer fremden Tür zu klingeln, eine fremde Wohnung zu betreten. Wie eine in eine Kirchenbank gepresste Gruppe adoleszenter Konfirmanden nehmen fremde Menschen nebeneinander im ausgeräumten Wohnzimmer platz, die Hände hilflos um ein Glas Wasser geklammert. Doch die Scheu schwindet schnell, letztlich verbindet alle das Gefühl von Unsicherheit, und Philipp Reinheimer schafft es mit Walter Moers Mär von Käpt´n Blaubär das Eis zu brechen. Phillipp Reinheimer ist der Blaubär, sein IKEA-Sessel wird zum Schiff, das Wohnzimmer ist das Meer. Gemeinsam verlassen die Gäste Würzburg und begeben sich auf eine unglaubliche Reise durch eine wunderbare Fantasiewelt. Die Lesung mutiert von der ersten Sekunde zum Einpersonenstück, intimer und direkter kann Theater nicht sein.

Ein beeindruckendes, einmaliges Erlebnis und eine mutige, charmante Gastgeberin.